Was ist Siebdruck? Der Siebdruck gehört zu den sogenannten Durchdruckverfahren. Beim Siebdruck wird Druckfarbe mittels einer Rakel durch ein feinmaschiges Sieb auf den Bedruckstoff gedrückt.

Druckform im Siebdruck

Die Druckform beim Siebdruck ist, wie der Name schon sagt, ein Sieb aus feinmaschigem Gewebe, das in einen Rahmen eingespannt wird. Das Siebgewebe kann aus echten Textilfasern bestehen (bspw. Seide), für die industrielle Produktion werden aber meist feine Kunstfasergewebe aus Nylon oder Polyester verwendet, die auch bei sehr geringer Fadendicke sehr zugfest und spannbar sind. Daneben gibt es auch Gewebe aus dünnen Metalldrähten. Das Gewebe wird in einen Rahmen eingespannt. Während der Hobbydrucker getrost einen Holzrahmen verwenden kann, wird in der Industrie auf Aluminium zurückgegriffen. Aluminium ist einerseits sehr leicht und bleibt andererseits bei großen Sieben mit sehr hoher Gewebespannung immer noch formstabil. Außerdem ist das Leichtmetall natürlich nicht wasserempfindlich und verliert auch bei starker Feuchtigkeitseinwirkung nicht seine Form. Siebe für den Siebdruck herzustellen ist ein aufwendiger Prozess, der hinsichtlich der Gewebespannung eine detaillierte Feinabstimmung erfordert, weswegen nur wenige Siebdruckereien ihre Siebe selbst herstellen. Der Größe der Siebe sind prinzipiell keine Grenzen gesetzt.

Das fertige Sieb wird mit einer lichtempfindlichen Schicht beschichtet, die alle Maschen des Siebs verschließt. Das Druckmotiv wird auf einen lichtdurchlässigen Film (oft Polyesterfolie) belichtet. Nach der Belichtung erscheint das Druckmotiv auf dem Film Schwarz und ist damit lichtundurchlässig, während der restliche Film transparent und damit lichtdurchlässig bleibt. Der fertig belichtete Film wird anschließend auf das Sieb aufgebracht und belichtet: Wo transparente Stellen des Films Licht hindurchlassen, härtet die lichtempfindliche Beschichtung des Siebs aus. Umgekehrt bleiben unbelichtete Siebstellen unausgehärtet und werden im anschließenden Spülbad entfernt, wodurch die Siebmaschen an diesen Stellen wieder freigelegt werden. Das auf dem Sieb so entstandene Druckbild nennt man im Siebdruck Schablone. Neben diesem indirekten Verfahren gibt es auch direkte Belichtungsverfahren, die ohne Film auskommen und direkt belichtet werden können.

Siebdruck-Farben

Für den Siebdruck gibt es eine große Bandbreite an unterschiedlichen Farben. Von Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz über jede erdenkliche Sonderfarbe bis hin zu Leuchtfarben, Glitterfarben, Lacken oder jenen Schichten, die man beispielsweise von Rubbellosen kennt, kann man mit dem Siebdruck alle möglichen Farben und Beschichtungen auf einen Bedruckstoff aufbringen. Da man mit dem Siebdruck die unterschiedlichsten Materialien bedrucken kann, gibt es für die unterschiedlichen Bedruckstoffe auch je Farben, die physikalisch und/oder chemisch für den speziellen Zweck geeignet sind.

Rasterung im Siebdruck

Rasterungen wie im Offsetdruck sind auch im Siebdruck denkbar. Dabei ist die Rasterung allerdings kein rein rechnerischer Prozess, sondern immer in Abhängigkeit zur Gewebedichte des Siebs zu betrachten. Sehr feine Rasterungen sind mit einem grobmaschigen Siebgewebe nicht zu realisieren – ein einzelner Rasterpunkt muss mindestens größer sein als eine Siebmasche, damit er sich im Gewebe verankern kann. Die Gewebefeinheit wird in Fäden/cm angegeben. Trotz der prinzipiellen Möglichkeit der Rasterung ist die Rasterqualität mit der des Offsetdrucks kaum vergleichbar. So sollte man mit dem Siebdruck keine feinen Fotoreproduktionen oder aufwendige Grafiken mit sehr feinen Linien und Farbverläufen drucken. Angesichts der bevorzugten Einsatzgebiete des Siebdrucks ist das aber nicht weiter schlimm.

Druckprozess im Siebdruck

Das Sieb wird über dem Bedruckstoff an einem Drucktisch befestigt. Sieb und Bedruckstoff berühren sich nicht. Sind Bedruckstoff und Sieb passgenau aufeinander abgestimmt und verankert, wird das Sieb mit Siebdruck-Farbe geflutet. Die Farbe wird gleichmäßig mit einer Rakel auf dem Sieb verteilt (Vorfluten), sodass sich die Maschen der Schablone gleichmäßig mit Farbe zusetzen können. Zum Drucken wird die Rakel mit erhöhtem Druck so über das Sieb geführt, dass Gewebe und Bedruckstoff sich für den Moment der Farbübertragung berühren. Hier wird die Bezeichnung als Durchdruckverfahren deutlich und auch, warum die Anwendungsgebiete des Siebdrucks so vielfältig sind. Da die Farbe auf den Bedruckstoff aufgedrückt wird, muss der Bedruckstoff nicht saugfähig sein, um bedruckt werden zu können. Der Siebdruck ist ein handwerklich sehr aufwendiges Verfahren, allerdings gibt es auch Vollautomaten, die im Kern denselben Schritten folgen. Die Farbe trocknet je nach Eigenschaft an der Luft durch Verdunstung eines Lösungsmittels oder durch fotochemische Aushärtung unter UV-Lichteinwirkung. Wie beim Offsetdruck benötigt auch der Siebdruck für jede Farbe eine eigene Druckform.

Einsatzgebiete des Siebdrucks

Aus den genannten Gründen ist Siebdruck hinsichtlich des zu bedruckenden Materials das wohl vielfältigste Verfahren: Metall, Kunststoff, Textilien, Keramik und Glas können verarbeitet werden. Darüber hinaus muss der Bedruckstoff nicht flach sein, sodass auch dreidimensionale Objekte bedruckt werden können.

Beispielhaft sind als mögliche Einsatzgebiete zu nennen: Metall-, Blech- und Kunststoffschilder, Thekenmatten, T-Shirts, Pullover, Schürzen, Teller, Tassen, Flaschen, Kugelschreiber, Etiketten, Deckenhänger, Acryl-Displays, Hartschaumplatten, CDs, Fahrradhelme, Getränkedosen und vieles mehr. So werden zum Beispiel sehr viele Wahlplakate mittels Siebdruck auf Hohlkammerplatten gedruckt. Dabei muss man aber wissen, dass der Siebdruck sehr aufwendig und kostenintensiv ist. Für die dauerhaften und langlebigen Ergebnisse, die auch unter widrigen Umständen sehr lange einsetzbar sind, ist der etwas höhere Preis allerdings durchaus gerechtfertigt.

Hersteller von Siebdruck-Maschinen

Zu den bekanntesten Herstellern von Siebdruck-Maschinen zählt die Firmen THIEME aus Teningen.